Schneiden – was ab ist, ist ab.

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Jetzt zum Saisonende geht es wieder los. Der Herbst ist da und der Garten kann endlich mal so richtig schön aufgeräumt werden. Letzte Sonnenstunden an den wenigen trockenen Tagen werden zum tiefen Graben, hartnäckigem Harken und ausdauerndem Schneiden genutzt.

Besonders das engagierte Schneiden von wehrlosen Bäumen, Sträuchern und Stauden beobachte ich bei so manch einem immer mit Argwohn.

Mit einem Blick auf die Pflanzen erhalte ich viele Informationen über den Besitzer des Gartens. Am Schnitt lässt sich hervorragend erkennen wie groß der Hobbygärtner ist. Jeder Strauch ist so groß, wie seine optimale Arbeitshöhe. Ob er Kasten oder Kugeln als absolut einzige Form für jede Pflanze bevorzugt. Oder generell alles auf Stock setzt, also bodentief abschneidet. Wohlwollend schaut er dann nach getaner Arbeit auf sein Werk und sagt:

„So Mutti, sieh mal, jetzt kommt überall wieder ordentlich Luft ran, schön nicht!?“

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…nein, leider nicht.

Bäume und Sträucher, die jedes Jahr radikal gestutzt werden, ohne beim Schnitt auf den natürlichen Habitus zu achten, verlieren viel an Vitalität, Schönheit und Wert.

Es gibt Menschen, die bezahlen für große, malerische Pflanzen aus Markenbaumschulen mehrere tausend Euro. Aber der private Obergärtner hat seine Zaubernuss wieder auf 1,10m gesetzt, weil er tief im Innern Angst vor großen Pflanzen hat. Angst ihren Wuchs nicht mehr kontrollieren zu können.

Anders ist es bei sehr großen, alten Bäume. Jene müssen regelmäßig kontrolliert und geschnitten werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Doch das kann nur ein Fachmann.

Unsachgemäßer Schnitt führt zu Wassertrieben und Hexenbesen. Das sind neue Triebe an den Schnittstellen, die nie den gleichen stabilen Halt zum Stamm haben werden, wie der alte Ast. Als Folge sind gerade diese neuen Äste nach ein paar Jahren besonders bruchgefährdet.

Verstehen Sie mich nicht falsch, alte eingewachsene Gärten können einen Rückschnitt oft sehr gut vertragen. Aber denken Sie schon bei der Planung darüber nach, wie groß eine Pflanze wird und wie viel Platz Sie dafür zur Verfügung haben. Wählen Sie lieber klein bleibende oder schmalere Sorten. Kaufen Sie Kugeln, wenn Sie Kugeln haben wollen. Oder trennen Sie sich von zu großen Pflanzen, die zu viel Arbeit machen und schaffen Platz für etwas Neues. Erfreuen Sie sich an Ihren Pflanzen und lassen Sie sich bitte nicht ärgern.

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